Der bedrohte Friede

Haben wir etwas aus den vergangenen Jahren gelernt?

»Um aus der Vergangenheit zu lernen«, war die Antwort eines Dozenten, der damals gegen 1994 bei uns an der Uni Englisch und amerikanische Geschichte unterrichtete. Ich hatte vorher eine dieser provokativen Fragen gestellt, die man als Respektsperson in einem Raum voller Jugendlicher ungern einfach stehen lässt: »Wieso müssen wir diese komischen Begriffe, Daten und Themen über Menschen, die bereits vor vielen Jahren verstorben sind, überhaupt lernen?«

Obwohl ich ab und zu fast von der Richtigkeit seiner Aussage überzeugt war, hatte ich trotzdem noch Zweifel, ob wir Menschen jemals etwas aus der Vergangenheit lernen würden. Und siehe da, obwohl ich damals noch nicht die nötige politische Reife hatte, um vernünftige Schlüsse zu ziehen, lag ich nicht ganz so falsch.

Denn 23 Jahre, dutzende Bücher und ein paar dramatische Lebensepisoden später bin ich der Überzeugung, dass wir Menschen GAR NICHTS aus der Vergangenheit lernen. Das Leben hat mir oft gezeigt, dass unsere Geschichte wie unsere Mode ist: Eine Aneinanderreihung von Mustern, die in einer sich wiederholenden Spirale immer wiederkehren.

Und vor ein paar Wochen bin ich zufälligerweise auf ein Buch gestoßen, das meine These bestätigen könnte. Der Autor des Buches – Carl Friedrich von Weizsäcker (Hanser Verlag), Bruder des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker (im Amt von 1984 bis 1994) – sagte in seinem Werk (unter anderem) den Niedergang des sowjetischen Kommunismus, die Globalisierung und die Dumping-Löhne  voraus. Anbei schildere ich Dir ein paar seiner interessantesten Prognosen, für die er damals, 1983, sogar ausgelacht wurde.

Zitate aus dem Buch „Der bedrohte Friede“ von Carl Friedrich von  Weizsäcker:

Fazit

Diese elf Prognosen benötigen keinen Kommentar von mir, denn alle sind glasklar. Es ist unsere stetige Aufgabe, unsere Taten zu überdenken. Die Zeiten haben sich verändert, harte Prüfungen stehen bevor und die Wahlen vor der Tür. Noch gibt es Hoffnung, dass viele den richtigen Weg wählen. Doch das ist genau die Gefahr einer Demokratie: Das Volk hat das Sagen, das Volk entscheidet. Und leider entscheidet sich die Masse nicht immer für den richtigen Weg. Viele lernen niemals etwas aus der Vergangenheit, es ist als ob wir unter akutem Alzheimer für vergangene Ereignisse leiden würden. Denn das Kurzzeitgedächtnis von vielen ist viel kürzer, als es uns gut tun könnte.

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